#SPDerneuern

Zu besonderen Anlässen unserer Partei wird gerne darauf hingewiesen, dass die 60plus Mitglieder immer und insbesondere in Wahlkämpfen ein verlässlicher Partner sei.

Aber neben der Verlässlichkeit in Wahlauseinandersetzungen wollen wir - als erfahrene Mitglieder unserer Partei – vor allem auch Teilhabe an dem haben, was die Beschreibung der inhaltlichen Positionen der SPD angeht.

In den letzten Wochen wurde ja beinahe täglich über die SPD und dem „Erneuerungsprozess“ berichtet und insbesondere aus der „Führungsetage“ kamen Beiträge, die die „Vielfalt“ unserer Partei spiegelten.

Viele Ideen oder auch nur Interessensvorschläge bestimmten die Headlines der meisten Gazetten. 
 
„… die SPD muss JÜNGER, WEIBLICHER UND BUNTER werden“.
Ja, gerne auch dies, für mich gilt aber auch:
„Die SPD muss INHALTLICHER, NACHHALTIGER UND IN DEN 
KERNANLIEGEN RADIKALER werden“.
Lothar Binding – der neue Bundesvorsitzende unserer Arbeitsgemeinschaft – 
hat zu dem s.g. Erneuerungsprozess in einem VORWÄRTS-Interview auf eine
Frage wie folgt geantwortet:

„[...] Was sagen Sie älteren Mitglieder, die befürchten, künftig nichts mehr zu sagen zu haben?

Wir sind keine „entweder oder-“, sondern eine „sowohl als auch-Partei“. Der Effekt ist zusätzlich und nicht ersetzend gedacht. Durch die vielen jungen Neumitglieder kommt etwas Gutes hinzu. Im Wahlkampf lief es dort am besten, wo Jung und Alt gut miteinander harmoniert und klug konkurriert haben, so kann jeder Wähler, jede Wählerin die richtige, seine und ihre Anlaufstelle finden. Einer mit grauen Haaren geht eher auf jemanden mit grauen Haaren zu. Eine Art Beachtungsverschiebung sehe ich aber auch“. 

Wie ich finde, genau die richtige Beschreibung!

An dieser Stelle ein Beitrag, zum Geschehen vor der „Geburt“ unserer Arbeitsgemeinschaft, der einen Eindruck ermöglicht auf mehr als „20 Jahre“ AG 60plus zurück zu blicken.

Warum mache ich diesen „Ausflug“? Ich glaube, dass dadurch auch die Aktualität für unsere AG 60 Politik deutlich wird und -nach wie vor – damit verbundene Forderungen wach bleiben!

Auf dem SPD-Parteitag 1973 in Hannover diskutierte der damalige Parteivorsitzende Willy Brandt die Situation der älteren Mitbürger in der Gesellschaft und in der Partei.

Er sprach dabei die größer werdende Zahl der älteren Mitbürger an und wies darauf hin, dass die SPD die Aufgabe hat,

„[...] die Rechte des Alters zu sichern; auch in der Partei. Deshalb haben wir in Aussicht genommen, es möge vom neuen Parteivorstand ein Seniorenrat der SPD berufen werden. Dies wird ein begrenzter Kreis sein müssen. Aber ich hoffe, alle Alten, denen wir so viel verdanken, werden sich dadurch stärker in unsere Arbeit einbezogen fühlen. Und ich verbinde von hier aus damit meinen Appell an die Älteren: Lasst eure Partei nicht allein! Sie braucht euch weiter und jetzt erst recht!“.

1973 wohlgemerkt! Sind das die Visionen, die wir heute manchmal vermissen?

Im Juni 1974 kam es zur ersten konstituierenden Sitzung des Seniorenrates unter dem Vorsitz von Carlo Schmid, in der Willy Brandt die Bedeutung der Senioren der SPD betonte:

„Uns liegt daran, den Rat der Alten, die über Jahrzehnte die Partei mitgetragen haben, in unsere heutige Arbeit mit einzubeziehen.

Der Parteivorstand sollte gutachtliche Äußerungen des Seniorenrats erbitten können, zumal zu Fragen, die nicht an den Tag gebunden sind. Darüber hinaus sind wir auch dankbar für unaufgeforderte Ratschläge“.

Ferner benannte Willy Brandt zwei konkrete Möglichkeiten, die er sich von dem Seniorenrat erhoffe:

1.            „den Kontakt der Partei mit ihrer Geschichte zu verstärken, und 


2.            das Nutzbarmachen der Erfahrungen für die forcierte Diskussion über die Grundwerte der Partei“. 


„Die älteren Mitglieder der Partei sind nicht nur deshalb wichtig, weil sie Verdienste erworben haben und über viel Erfahrung verfügen; sie sind auch deshalb wichtig, weil sie natürlicherweise einen engeren Kontakt zu ihren älteren Mitbürgern halten können“.

Und bezogen auf die älteren Wähler verwies er auf deren hohes Engagement und die Chance des Zusammenrückens der Generationen.

Dieser „kleine Rückblick“ beschreibt doch ausgezeichnet die Anliegen, die bei einem „Erneuerungsprozess“ von Bedeutung sein müssen!

Lasst uns gemeinsam unsere Vorstellungen von Politik in die Bezirke und Unterbezirke tragen, lasst uns dazu beitragen, dass unsere Stimmen bei dem Prozess der SPD für eine klare programmatische Ausrichtung an Gewicht zunehmen.

 

Walter Cremer

Landesvorsitzender AG 60plus
NRWSPD